|
| Author |
Message |
|
Maverick
|
Post subject: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 14. Sep 2009, 11:22 |
Joined: 10. Mar 2009, 18:13 Posts: 147
|
..meint die Antifa ak Col. Und deshalb findet sie es gut wenn der „offizielle Teil des bundesweiten „Nationalfeiertages“ “ und die Feiern zur Wiedervereinigung in Leipzig, als Inszenierung und Generierung nationaler Identität von linken Gruppen nicht unwidersprochen hingenommen werden. Und zwar auch „Nicht zuletzt, weil ein Großteil der Linken in Deutschland, etwa weite Teile der Linkspartei, immer noch der (antiimperialistischen) Ideologie von Staat, Volk und „nationaler Befreiung“ anhängt.“, was Ausdruck „einer bloß noch identitären Beschäftigung mit der Funktionsweise von Staat, Nation und Kapital im Allgemeinen sei. Erwarten würde man eine klare Stellungnahme gegen das Herantragen von reformistischer Forderungen, für eine konformistische Revolte auf der Grundlage von Staat, Nation und Kapital, für eine Abschaffung jeder Herschafft und Ausbeutung von Menschen, doch was folgt ist eine Bemängelung „theoretischer Borniertheit und praktischer Verwirrung“, die „mit dem Verweis auf die besonderen Verbrechen seiner (Deutschlands) Geschichte“ deutschen Nationalismus skandalisiert. Und so stößt es ihnen übel auf wenn auf den Feiern zur Wiedervereinigung die Nationalflaggen der Nationen gezeigt werden, die dem deutschen Traum völliger Identität mit Staat, Volk und Kapital ein viel zu spätes Ende bereitet haben, anstatt eine „radikale Kritik und Praxis zu entwickeln.“. Denn eins wissen sie genau, nämlich „wie ein Antinationalismus heute in Theorie und Praxis aussehen sollte – und wie nicht.“ Anhand der Gästeliste der bundesdeutschen Feierlichkeiten, als Beispiel führen sie Sarkozy auf, konstatieren sie „eine reale Veränderungen der Konfiguration von deutschem Staat, Nation und Kapital in globalen Kapitalismus, „Denn die Rivalität zwischen den europäischen Großmächten (und den USA) aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg hat sich in eine fragile Beutegemeinschaft einiger Weltmarktgewinner transformiert.“ Diese Kooperation und der Modus einer parlamentarischen Demokratie sei nun eine „Gemessen an der Geschichte Deutschlands, insbesondere den Verbrechen des Nationalsozialismus, (…) relativ entspannte Form der Aushandlung und Ausübung staatlicher Herrschaft.“ in Deutschland, deren Herbeiführung nebenbei gesagt viele Millionen Menschen im WWII das Leben gekostet hat, aber Schwamm drüber. Denn „Diese Einsicht, also das Wissen darum, dass Politik auch unter dem freiesten Gewaltmonopolisten, der je deutsche Pässe ausgegeben hat, stets eine Wahl zwischen falschen Alternativen bedeutet(…) Aber es bleibt doch stets ein Dilemma, dass alles, was der eine Staat bestenfalls unter dem Druck sozialer Bewegungen den Menschen an Rechten und sozialen Wohltaten zugesteht, im brutalen Wettbewerb gegen andere erbeutet werden muss. Dieser strukturelle Zusammenhang von Staat und Kapitalismus verbürgt weltweit das Scheitern jeder Befreiungsbewegung, die sich wesentlich auf den Einsatz staatlicher Instrumente verlässt." Hier setzt sich der seltsame Glaube fort, der Staat verteile soziale Wohltaten auf Kosten anderer nationaler Kollektive, und das sei der Zusammenhang von Staat und Kapitalismus, der das Scheitern von Befreiungsbewegungen als konformistische Revolte bewirke, und nicht die prinzipielle Unmöglichkeit einer befreiten Gesellschaft auf der Grundlage von Staat, Nation und Kapital. Später flüstert sich dann aber durch, der Staat sei nur für „Ausgangsvorrausetzungen“ z.B. „Bildung“ verantwortlich. Der Fehler, den Nationalisten nun machen würden, sei „sich vom Fortkommen ihres Staates eine reale Veränderung ihrer Situation im Teufelskreislauf der kapitalistischen Konkurrenz.„ zu versprechen, wo dies doch gar nicht so abwegig WÄRE, würde der Staat soziale Wohltaten zugestehen, die „im brutalen Wettbewerb gegen andere erbeutet werden muss.“ Außerdem sei es falsch, sich dem bejubeln „seiner“ Fußballmannschaft hinzugeben, da man sich dabei der Illusion hingibt, es käme auf einen an, wo doch das Erleben von Masse gerade die gegenteilige sinnlicher Erfahrung verspricht. Das Gefühl bzw. der Glaube, es käme in einer kapitalistischen Gesellschaft auf den Einzelnen an, sei jedoch „nicht ganz falsch“, was sich an staatlichen Kampagnen wie „Du bist Deutschland“ zeige, und nicht Ausdruck eines Bewusstseins welches sich als Teil eines Großen Ganzen wähnt, als Passagier eines Bootes in dem alle gemeinsam zu sitzen würden, wie im Fußballstation. Im Falle einer Krise oder Krieges jedoch zeige sich, dass der „Einzelne“ dem Staat nichts als „Ein bei Bedarf auf dem Schlachtfeld des Weltmarktes oder des Krieges zur opfernder Arbeitskraftbehälter“ sei, und über diese „nahe liegende Einsicht in die eigene Dummheit“ könne er sich nur noch durch „die Gewissheit, dass es „den Anderen“ anderswo ja noch schlechter geht,“ hinwegretten. „Demokratisch weniger gefestigte Staatsbürger verfallen hingegen in solchen Situationen gerne darauf, ihre eingebildete Anspruchsberechtigung mit Mord und Totschlag an eben diesen Anderen zu unterstreichen.“ Und da die AK Col. genau weiß „wie ein Antinationalismus heute in Theorie und Praxis aussehen sollte – und wie nicht“ ist es der 3.Oktober für sie ein Grund „dem System mal wieder ein deutliches „Fuck you!“ entgegen zuschleudern.“ Weiter geht es mit der Frage: „never change a winning team?“, und eine Infragestellung dieser Ansage plausibel zu machen wäre. Sicher sind sie sich zumindest darin, dass „eine Kritik an Staat und Nation deren aktuelle Entwicklungen berücksichtigen,“ muss und „die Ablehnung von deutschem Staat und Nationalismus über die besonderen Verbrechen der deutschen Geschichte“ „bestenfalls noch kuriosen Beiwerk“ oder eindreschen auf „Pappkameraden“ darstellt. Das Holocaust-Mahnmal in Berlin sei letztlich der Beweis „dass die Verbrechen des Nationalsozialismus als „Auftrag und Verpflichtung“ längst Eingang in die Konstruktion nationaler Identität in Europa gefunden haben.“ Deshalb sei es auch nur „Ausdruck von Traditionalismus und/oder Realitätsverweigerung, den aktuellen Mobilisierungen der Nation nur mit dem lieb gewonnenen Verweis auf deren besonders schreckliche Vergangenheit entgegenzutreten. „Mit der Einbildung, nachträglich den Kampf gegen die Volksgemeinschaft zu führen, in dem man sie raunend als „postfaschistische“, bzw. „postnazistische BRD“ wieder auferstehen lässt, verleiht man sich selbst gefahrlos eine politische Relevanz und moralische Weihe, welche der marginalisierte Linken in der gesellschaftlichen Realität des 21. Jahrhunderts tatsächlich abgeht.“ „Der richtige Hinweis darauf, dass nach wie vor eine relevante Anzahl von Menschen auch in der sogenannten bürgerlichen Mitte in Deutschland einem anderen, nämlich völkisch-rassistischen, offen antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Konzept nationaler Identität anhängen, ändert daran nichts.“ Warum? Darum: „Denn eine Linke, die mehr sein will als bloß antifaschistisch, d. h. mehr als der militante Arm der Bundeszentrale für politische Bildung, kann sich nicht damit begnügen, nur die Minderheit aus Neonazis und latent Rechtsradikalen als ihre Gegner zu bestimmen.“ Etwas widersprüchlich? Egal! Da sie nicht der „tieferliegende Begriffslosigkeit“ der klassischen Antifa anhängen, kommen sie zu dem Schluss, der deutsche Sonderweg fällt nicht aus der Geschichte der kapitalistischen Entwicklung heraus, genau genommen gab es bloß „nationale Sonderwege“ in der Entwicklung des Weltmarktes. Der Holocaust und NS wahrscheinlich nichts als eine „wenn auch bemerkenswert menschenverachtende – Variante der Verarbeitung der Konfliktlagen der kapitalistischen Weltmarktkonkurrenz.“ Weiter lassen sie verlauten, wahrscheinlich ganz im Sinne der Bundesregierung, dass „momentan alle Versuche einer umfassenden Wiederbelebung des völkischen Nationenkonzeptes wenig Erfolg versprechend sind“ Zum Abschluss noch die punchline: „Über die moralische Empörung gegenüber den vergangenen nationalen Untaten fährt die Dynamik kapitalistische Entwicklung samt ihrer nationalistischen Deutungen jedenfalls hinweg wie ein Bus.“ So wird also der deutsche Nationalismus kuzerhand zur „Normalkatastrophe“ erklärt, incl. „Ausländeranzünderei“ „für den Standort“, ne? Weiter handele es sich bei echten Linken also „nicht um verkappte Liberale, sondern um KommunistInnen; um Leute also, die auch dann noch ein Problem mit dieser Gesellschaft haben, wenn nach dem Deutschlandspiel keine Dönerläden mehr eingeschmissen werden und auch noch der Letzte die Formel von der „besonderen deutschen Verantwortung gegenüber Israel“ runterbeten kann. Wir kommen zum „Ort der Revolution“, an dem erstmal grundsätzlich geklärt wird, dass es sich bei den früheren Kriegsgegnern Deutschlands um „besser begründete Nationalismen“ handelt und besonders scharfsinnig stellt man fest, dass die Parteinahme für die Alliierten nichts als „subjektive Sinnstiftung“ darstellt. Ob die deutschen Soldaten die 45 noch gekämpft und weiter den Massenmord an den europäischen Juden durchgeführt und organisiert haben, auch so dachten? Wahrscheinlich nicht, aber sei’s drum. Wolfgang Pohrt lassen sie dann zu dem Schluss kommen, es sei an der Zeit, Leute denen „sogar das Klo“ weggenommen wurde, wieder zum Thema zu machen. Da also die Linke „ihre reale Ohnmacht nicht ignorieren kann“ und „es keinen Ort oder Strategie gibt der eine revolutionäre Perspektive anbietet“ muss sie was? – Richtig!: „praktisch werden!““ Denn wo weder ein Subjekt noch ein prädestinierter Ort radikaler Veränderung bestimmbar ist, ist es an der radikalen Linken, den Wahrheitsgehalt ihrer Analyse, d. h. die Möglichkeit dass es ganz anders werden kann, in und anhand sozialer Auseinandersetzungen deutlich zu machen.“ „Nicht mit der Perspektive auf eine langsame Reform der Institutionen von Staat, Nation und Kapital, sondern mit dem Aufzeigen eben der Untauglichkeit ihrer Mittel für die Schaffung einer menschlicheren Gesellschaft.“ Als wäre der ZWECK von Staat, Nation und Kapital die Schaffung einer menschlichen Gesellschaft. Alter Hut! „Überhaupt wäre in sozialen Kämpfen eine Position jenseits der allgemeinen Staatsfixiertheit in der Schaffung alternativer Strukturen und Angebote machbar.“ Als gäbe es die nicht längst zuhauf. „Vielmehr könnte eine antinationale Solidarität mit dem Versuch der strategischen Schädigung der deutschen Außenhandelsbilanzen ganz praktischen Druck für die paar fortschrittlichen Bewegungen, die es anderswo gibt, entfalten.“ z.B in den USA oder in Israel? wer es sich antun will: http://www.no-racism.mobi/?page_id=439
Last edited by Maverick on 14. Sep 2009, 15:56, edited 1 time in total.
_________________ There is no criticism on antisemitism without criticism in antiamericanism.
|
|
|
|
 |
|
AldoRaine
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 14. Sep 2009, 15:32 |
Joined: 2. Jan 2009, 15:15 Posts: 345 Location: Maynardville, Tennessee
|
sehr aufschlussreich, wenn auch nur als randnotiz interessant, scheint mir im hier zu verhandelnden zusammenhang das ressentiment der deutschen linken gegen's lyrische zu sein (die älteren semester der ADF-user_innen kennen's mglw. scho'...): karl held gegen antideutsche dichter, part onekarl held gegen antideutsche dichter, part twodass abgeschmackte gestalten wie gremliza und ebermann mittlerweile als linksdeutsche avantgarde in den reihen ebenjener menschen- und freiheitsfeinde angekommen sind (wo sich eben auch wolfgang pohrt befindet), von deren held sie stellvertretend für viele 1993 noch als "dichter" beschimpft wurden; nunja, das würde man wohl mit einigem recht und ohne übertreibung "ironie der geschichte" nennen können (oder eben als beleg der verwirklichung des wagnerianischen postulates, dass gute deutsche "eine sache um ihrer selbst willen" zu tun haben, begreifen...). dokumentiert sind helds ausfälle auch in dem band zum konkret-kongress von 1993 ( http://www.konkret-verlage.de/kvv/kt.php?texte=06), in welchem zudem tiefe einblicke in die abgründe der weltbilder der dort mehrheitlich versammelten protagonist_innen linksdeutscher ideologie und propaganda vermittelt werden - vermutlich gegen die intention der herausgebenden. die angeblichen antifaschist_innen aus frankfurt und köln, die nun die zeitgemäße variante des in dem band ausformulierten und diskutierten bundesdeutschen antiimperialismus darstellen wollen (gegen den auf dem kongress nur wenige kritiker_innen das wort erhoben haben), haben ja von gesellschaftskritik nicht nur keine ahnung, sondern erreichen auch in ihrer vorgeblichen "staatskritik" einen bestimmten und notwendigen grad an dialektik gerade nicht und verlegen sich stattdessen lieber auf's herumwirtschaften im "theoretischen unterbau", in welchem man - heute postmodern, morgen in bester parteikommunistischer manier - eben mit antiamerkanisch-antiimperialistischen ressentiments in bester deutscher manier im trüben fischen und weiter dem marxistisch-leninistisch-stalinistisch-maoistischen "feuchten traum" (oder im jargon des georg seeßlen formuliert: "entfeuchtete[n] traum"), endlich die heiß geliebten deutschen massen zu agitieren, frönt. die aktivitäten, die die unbelehrbaren von der frankfurter antifa [f] und ihre gesinnungsgenoss_innen angesichts der situation im iran vor kurzem entfalteten, zeugen von dem in solchen träumen enthaltenen größenwahn und der wirklichkeitsvergessenheit, die im fetisch deutscher antifa-expert_innen für alle formen politischer massenmobilisierung sich artikulieren (auch wenn die sache mit der mobilisierung der deutschen massen unter den entsprechenden "linksradikalen" vorzeichen naturgemäß nie hinhaut und man sich in den analysen der gescheiterten mobilisierungen gegenseitig abweichlerischer tendenzen verdächtigt - man erinnere sich in diesem zusammenhang an die peinliche erklärung von "T.O.P. Berlin" anlässlich des groß angekündigten "antifa-aktionstages" vom 12. august...) und deren konsequenz: dem aufkündigen des einzigen antifaschistischen standards und der antideutschen selbstverständlichkeit, für die es sich angesichts der deutschen zustände überhaupt lohnen würde und gebietet, in diesem scheißland auf die straße zu gehen: der solidarität mit israel. wenn man es unter den autonomen post-operaist_innen in frankfurt und köln ernst meinen würde mit der apostrophierten kritik von "staat, nation, kapital, scheiße" und von der "freiheit, die wir meinen" überhaupt einen begriff hätte, der sich nicht im wiederholen und propagieren kollektivistischer zwangsvorstellungen der deutschen linken ergeht, sondern gegen die analyse von der "herrschaft der falschen freiheit" auf der einlösung des negativen versprechens auf freiheit jenseits der repressiven gesellschaftlichen synthesis unter der knute des kapitals besteht, dann würde man nicht hinter die erkenntnisse der diskussionen um "fahnenstreit" und "basisbanalitäten" ( http://www.conne-island.de/nf/109/27.html, http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=214&print=ja, http://www.redaktion-bahamas.org/auswahl/web44-3.htm, u.a.m.) zurückfallen und vielleicht substanzielles zur kritik der wertvergesellschaftung beibringen. das bedeutete aber vor allem, nicht auf eine analyse unter dem motto "Standortnationalismus is the real slim shady" zu verfallen, von der "normalkatastrophe" hartzIV und Agenda2010 zu schwadronieren oder sich in linksdeutschen jargon und auf solchem wege en passant selbst als linke avantgarde zu den "störenfrieden der nationalen sache im innern und äußern" stilisieren zu wollen. (und dann geht es eben auch nicht "um's ganze", allenfalls "gegen's..."; denn: - vielleicht eine philosophische petitesse - "das ganze ist das unwahre"...) angesichts des linken konsenses (selbst 25% der wähler_innen der in weiten teilen traditionell und völkisch orientierten christlich geprägten sog. volksparteien begreifen sich per selbstdefinition als "links") im land der täterInnen und der konjunktur des antiimperialistischen antisemitismus deutscher kapitalismuskritiker_innen (und zwar in allen erdenklichen ausprägungen...) stellt sich doch gerade nicht die frage nach der abschaffung der gedichte, sondern es ergibt sich die notwendigkeit - angesichts des wahnsinns deutscher ideologie, wie er exemplarisch in dem "kommunique" des ZK der antifa expliziert wird, wieder einmal - mit der abschaffung der deutschen linken auf die anlässlich des '93er kongresses von konkret gestellte zentralen- und lieblingsfrage ("was tun?!?") der konformistischen rebellion dieser linken zu antworten. übrig bleibt die rettung der gedichte gegen die starrköpfigkeit der antifa-kader, über die der große lyriker und gesellschaftskritiker oscar wilde schon lange bevor deren großväter sich aufmachten, den staat des kapitals dem angeblich zur genesung einladenden "deutschen wesen" (man könnte wissen, dass dies ein synonym für "vernichtungswahn" und "pogrom als gemeinschaftsstiftendes ritual" ist) zu opfern, in so treffender poetik das zutreffende urteil gefällt hat: Quote: [...] The emotions of man are stirred more quickly than man's intelligence; and, as I pointed out some time ago in an article on the function of criticism, it is much more easy to have sympathy with suffering than it is to have sympathy with thought. Accordingly, with admirable though misdirected intentions, they very seriously and very sentimentally set themselves to the task of remedying the evils that they see. But their remedies do not cure the disease: they merely prolong it. Indeed, their remedies are part of the disease. (aus: "the soul of man under socialism")
_________________ "We got a German here who wants to die for his country! Oblige him!" (Lt. Aldo Raine)
|
|
|
|
 |
|
sisko
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 29. Sep 2009, 11:00 |
Joined: 10. Nov 2008, 18:14 Posts: 244
|
eine antwort auf den aufruf von der gurppe sinistra aus frankfurt Attachment: File comment: text als pdf
ich-kann.pdf [214.07 KiB]
Downloaded 6 times
_________________________________________________________Ich kann die Auschwitzscheiße nicht mehr hören...[Wie Autonome Antinationalisten den Schlussstrich unter die deutsche Geschichte ziehen wollen]Als vor zwanzig Jahren wieder zusammenwuchs, was zusammengehörte und sich die Deutschen der letzten verhassten Erinnerungen an die Schmach des verlorenen Krieges endlich entledigen konnten – die Mauer fiel, der Russ' und Ami gingen heim –, begaben sich die Deutschen auf die Straßen um zu feiern, erst das einig' Vaterland, dann sich selbst – man war ja jetzt auch Weltmeister –, um schließlich im ganzen Land und insbesondere in den immer hässlicher blühenden Landschaften Undeutsches zu jagen. Der johlende Volksmob vor den brennenden Asylbewerber_innenheimen von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen, die flächendeckend sich ausbreitenden »national befreiten Zonen« und No-Go-Areas für Menschen nicht-arischen Aussehens und die immer offenere Artikulation rassistischer und antisemitischer Meinungen zeigten schlaglichtartig, welche Abgründe sich hinter der biederen Fassade Nachkriegsdeutschlands auftaten. Zumindest dem klügeren Teil der deutschen Linken blieb die unbequeme Tatsache nicht verborgen, dass das »einfache Volk«, das lange Zeit als Hoffnungsträger für revolutionäre Träume gehandelt wurde, auf der anderen Seite der Barrikade steht und eine auf Emanzipation gerichtete Politik die deutsche Bevölkerung nicht zur Verbündeten hat, sondern notwendig gegen die Mehrheit in diesem Land gerichtet sein muss. Auch Antifaschismus hieß nun nicht mehr einfach, den Kampf gegen isolierte Nazistrukturen zu führen, sondern sich bewusst zu machen, welche gesellschaftlichen Verhältnisse es den Nazis ermöglichen, sich in der deutschen Mehrheitsbevölkerung immer öfter wie die Fische im Wasser bewegen zu können und mancherorts als ausführendes Organ und zur klammheimlichen Freude einer stillschweigenden Mehrheit die ungeliebten Nicht-Deutschen zu drangsalieren und einzuschüchtern. Mit der Erkenntnis, dass emanzipatorische Politik sich in diesem Land gegen dieses Land und seine Bewohner_innen richten muss, verband sich eine immer stärkere Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte: Deutschland ist nicht ein Land unter vielen, sondern der Ort, an dem das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte stattfand. Die Deutschen – und nicht etwa die Französ_innen, Russ_innen, Brit_innen oder Amerikaner_innen – waren es, die die systematische Ausrottung der europäischen Jüdinnen und Juden akribisch planten und noch bis in die letzten Tage des Krieges fortsetzten. Die übergroße Mehrheit der Deutschen bejubelte frenetisch Hitler, beteiligte sich an den grausamsten Kriegsverbrechen oder billigte sie. Es ging ja schließlich um die Erlangung der Weltherrschaft, um den Aufbau des »Tausendjährigen Reiches«. Man denunzierte ohne Scham die jüdischen Nachbar_innen, bereicherte sich an ihrem Eigentum und tat nichts, um ihren Transport in den sicheren Tod der Vernichtungslager von Treblinka, Belzec, Auschwitz und Sobibor zu verhindern. Akribisch versuchten die Deutschen, gründlich wie sie sind, jede Jüdin und jeden Juden noch im letzten Winkel Europas aufzuspüren und erschossen, erschlugen, verbrannten und vergasten alle, derer sie habhaft werden konnten. Diese Vernichtungstat folgte keinem ökonomischen Kalkül, keiner bis dahin bekannten politischen Vernunft; es war der unbedingte Wille zur »Ausmerzung der jüdischen Untermenschen«, wie es hieß, es war der dialektische Umschlag der Aufklärung in die Barbarei, der ultimative Zivilisationsbruch. Am Ende der deutschen Vernichtungstat stand keine Reue, der sechsmillionenfache Mord blieb weitgehend ungesühnt und die deutschen Herrenmenschen hatten sowieso von nichts gewusst und nicht bemerkt, was sich unter ihren Augen zutrug – so einfach war das. Es sollte endlich Schluss sein mit diesen ewigen Vorhaltungen, hieß es schon in den fünfziger Jahren, als die Täter und Täterinnen wieder ihre Karrieren ungebrochen fortsetzen durften. Und auch in späteren Jahren – die meisten Nazis lebten immer noch – fügte sich Schlussstrich an Schlussstrich, Vergessen an Verdrängen. Was hatten wir denn schließlich noch mit den Nazis zu tun, fragten sich die Deutschen, das war doch nun schon tausend Jahre her. Die sich seit Mitte der neunziger Jahre als »antideutsch« labelnde Strömung der Linken hatte es sich nun zur Aufgabe gemacht, diese ungebrochen weiterwirkende kollektive Verdrängungsleistung zu stören und der Frage nachzugehen, ob sich nach '45 wirklich alles mit einem Schlage geändert hatte und Auschwitz nur ein sich niemals wiederholender Betriebsunfall der Geschichte war, oder ob der Geist des Nationalsozialismus hinter dem Verdrängten, nicht offen Artikulierten, weiterwirkte. Es hieß deshalb jetzt: »Deutschland denken heißt Auschwitz denken« und Adornos kategorischen Imperativ, alles Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz sich niemals wiederhole, umzusetzen. Zweifellos trug auch die antideutsche Strömung merkwürdige Blüten. »So wurde es beispielsweise insbesondere nach 9/11 Mode, alle Hoffnung in die USA als einzige Macht, die objektiv für diese Bestandssicherung [des Liberalismus, Anm. der Verfasser_innen] eintritt und gegen den islamischen Faschismus zu Felde ziehen kann, zu legen« (Mario Möller: »Überholen ohne einzuholen. Gemeinsamkeiten von deutscher Ideologie und (politischem) Islam«; CEEIEH 91). Diese blinde Begeisterung für einen Staat, der letztlich auch nur seine eigenen Interessen wahrnimmt und keineswegs selbstlos die Emanzipation auf der ganzen Welt erkämpft, erscheint zu Recht auf den ersten Blick sonderbar. Ähnlich merkwürdig wirkt manchmal ein Israel-Fantum einiger Jung-Antideutscher, die morgens ihren Kaffee nur noch aus dem Israelbecher trinken, umdann mit einem koscheren Frühstück in den Tag zu starten (siehe dazu auch »Dialektik des Abschieds«, in: sinistra! 2004). Doch all diese Positionen lassen die boshafte Deutschtümelei vermissen, welche die Frankfurter Autonome Antifa [f] in ihrem neuen Text »Gegen Deutschland helfen keine Gedichte« auslebt. In dieser sich »revolutionär« und »auf der Höhe der Zeit« dünkenden Gruppe ist man sich mit Mami, Papi, Opi (Eisernes Kreuz mit Eichenlaub) und Omi (Mutterkreuz) einig, dass es mit dem endlosen Rumbohren in der deutschen Geschichte doch endlich mal gut sein müsse: »So will die antideutsche Linke diesem Staat immer noch mit Verweis auf die besonderen Verbrechen seiner Geschichte an den Kragen und flaggt wohl auch im Saarland und in Leipzig wieder Israel, bzw. Alliiertenfahnen aus dem Zweiten Weltkrieg als Zeichen ihrer ›kompromisslosen Ablehnung‹ Deutschlands«, heißt es bei den Frankfurter »Antifaschist_innen«, die mittlerweile kaum noch wissen dürften, warum sie sich so titulieren, ist es doch ihrer Meinung nach so, dass es viel Wichtigeres gibt und »eine ›Kritik‹ von Staat und Nation, die ihre Kraft nur aus den selbsteingestandenen Skandalen bezieht (z.B. rassistischer und antisemitischer Gewalt), [...] offenbar wenig taugt.« Denn Rassismus und Antisemitismus sind – das hat man vom federführenden Gegenstandpunkt im Um's-Ganze-Bündnis gelernt –, so wie der Sexismus ja schließlich auch, vernachlässigbare Nebenwidersprüche, die vor dem wirklich Wichtigen, also dem Kampf gegen »Staat und Kapital«, bzw. dem »Gewaltmonopolisten und der Weltmarktkonkurrenz« nur ablenken. Die Einsicht, dass Deutschland mit seiner Geschichte des millionenfachen Massenmordes keine Nation wie jede andere sein kann und nie sein können wird, begegnet man mit plattesten ökonomistischen Formeln aus dem Baukasten des Arbeitermarxismus. So als hätte es den, sich jedweder einfachen Ableitung aus irgendwelchen »Dynamiken kapitalistischer Entwicklung« entziehenden, nationalsozialistischen Massenmord (im relativierenden Jargon der Antifa [f]: »vergangene nationale Untaten« genannt) nie gegeben, schwafelt man, sichtlich fasziniert von der sich vermeintlich bruchlos Bahn brechenden Rationalität der kapitalistischen Entwicklung, dass »die Dynamik kapitalistischer Entwicklung über die moralische Empörung gegenüber den vergangenen nationalen Untaten samt ihrer nationalistischen Deutungen« hinwegfahre »wie ein Bus«. »Wie ein Bus« fährt indes auch die, jegliche Debatte der letzten vierzig Jahre in einer intellektuell durch nichts begründeten Arroganz ignorierende, Antifa [f] über die theoretische Beschäftigung mit der besonderen Rolle Deutschlands hinweg, um die Erkenntnis der Singularität von Auschwitz zu revidieren und ihre geschichtsrevisionistischen Vorstellungen ungefiltert herauszuposaunen. Kontrafaktisch wird unter der skandalösen Überschrift »Die Normalität des nationalen Sonderwegs« behauptet, dass auch der »deutsche Sonderweg«, der streng genommen gar keiner sei, da letztlich jede Nation »egal ob Britisches Empire, USA oder Deutsches Kaiserreich« ihren »eigenen Sonderweg« in der Entwicklung des Weltmarktes genommen habe, »nicht aus der Geschichte der kapitalistischen Entwicklung« herausfalle und bloß »eine – wenn auch bemerkenswert menschenverachtende – Variante der Verarbeitung der Konfliktlagen der kapitalistischen Weltmarktkonkurrenz« sei. Bemerkenswert auch der explizit gemachte Antiintellektualismus der, ihr Fußvolk gerne im Schlägermilieu Frankfurter Hooligankreise rekrutierenden und auch bislang eher durch das Anzünden von Mülltonnen als durch ausgefeilte theoretische Positionen aufgefallenen, Antifagruppe: Die Antideutschen sind für sie in der »Dachkammer ihrer Intellektualität« hockende »Fans der reinen Theorie«, deren Debatten »endlos um sich selbst kreisen« und deren »lebenslanges Lernen« Ausfluss eines »neoliberalen Imperativs« sei. Dieser ungelenke Versuch, theoretische Arbeit als überflüssig abzutun und die interessierte Verwechslung von dumm-bleiben-wollen mit einer Kritik des Neoliberalismus, erstaunen nicht, müssen doch diejenigen Menschen, die angesichts der deutschen Zustände breiten Volksbewegungen skeptisch gegenüberstehen, denjenigen, die mit »Um's Ganze« und der sinnbefreiten Parole »Staat.Nation.Kapital.Scheiße.« gerade den Schulterschluss mit Masse, Pöbel und Mob suchen, naturgemäß suspekt erscheinen. Genausowenig wie »Um's Ganze« und ihr Frankfurter Ableger in der Lage sind, die Marx'sche Wertformanalyse, geschweige denn den Fetischcharakter der Ware auch nur im Ansatz zu begreifen – nicht umsonst wimmelt es in der Um's-Ganze-Broschüre von unverstandenen Worthülsen wie »Konkurrenz«, »Weltmarkt« und »Gewalt« und werden regelmäßig, als praktische Konsequenz einer verkürzten Kapitalismuskritik, die »Bonzen« beim Frankfurter Opernball angegriffen –, ist die Antifa [f] willens und in der Lage, zu erklären, inwiefern Auschwitz eine »Variante der Verarbeitung der Konfliktlagen der kapitalistischen Weltmarktkonkurrenz« sein soll und warum die Vernichtungslager in Deutschland und nicht etwa in den USA oder dem »Britischen Empire« errichtet wurden. Stattdessen ist verniedlichend von »Exzessen des Nationalsozialismus« die Rede und von wahren »Linken« als Leuten, »die auch dann noch ein Problem mit der Gesellschaft haben, wenn auch noch der Letzte die Formel von der ›besonderen Verantwortung gegenüber Israel‹ runterbeten kann.« Über das »Runterbeten der besonderen Verantwortung gegenüber Israel« wetternd, können diese »Antifaschist_innen« sicherlich auch an jedem x-beliebigen deutschen Stammtisch punkten und Applaus dafür ernten, wenn sie von der bösen Weltmarktkonkurrenz faseln. Zwar ist man vorerst noch – ohne indes genau zu wissen warum eigentlich – »antinational«, doch stehen diese »Antifas« dem dikursiven Mainstream bedrohlich näher als sie denken: »Dass trotzdem immer noch probiert wird, [...] die ganz besondere Bosheit des ›eigenen‹ Nationalismus im Kontrast zu besser begründeten Nationalismen anderswo zu behaupten, verweist gleichwohl auf ein reales Problem«, walsert es düster. Antideutsche sind aber wohl in erster Linie deshalb für die schlaumeiernden »Um's Ganze« Strateg_innen ein Problem, da sie im Verdacht stehen, mit der »Auschwitzkeule« systematisch alle mühsam zusammengeschusterten Arbeits- und Organisationsprozesse ihrer herbeihalluzinierten neuen linken Massenbewegung bösartig zu hintertreiben. Folgerichtig wenden sich diese neunmalklugen »Antinationalen« auch scharf gegen das Zeigen der Fahnen der alliierten Sieger über Nazideutschland und des als Konsequenz des deutschen Vernichtungsantisemitismus entstanden Staates Israel. Ganz unabhängig davon, dass das Zeigen dieser Fahnen in Deutschland überhaupt nichts mit einer »Identifikation« mit diesen Staaten zu tun haben muss, vielmehr als symbolische Konfrontation der Deutschen mit ihrer Geschichte zu verstehen ist, ist die Rede vom »alternativen Nationalismus«, der in einer Solidarisierung mit Israel zum Ausdruck komme, bezeichnend: Hier wird die Verteidigung des Staates der Überlebenden der Shoa mit dem Abfeiern des Rechtsnachfolgers des Dritten Reiches umstandslos gleichgesetzt. Für Antinationale diesen Schlages ist eben Nation gleich Nation und Israel in letzter Konsequenz auch nicht besser oder schlechter als Deutschland. Opfer und Täter_innen werden in dieser sich besonders kritisch wähnenden Pose (»wir sind doch gegen alles und alle«) immer unkenntlicher und ganz nebenbei wird dabei die deutsche Nation – ganz ohne sich explizit positiv auf sie beziehen zu müssen – durch das ihr von links zugewiesene Attribut, genauso »scheiße« zu sein wie alle anderen, linkskompatibel entschuldet. So funktioniert der deutsche Normalisierungsdiskurs – spiegelbildlich zu dem von Walser und der CDU – auf antinational-links: Wir sind zwar gegen alle Nationen, spricht die Antifa [f], aber möchte hiermit vor aller Welt erst einmal zu Protokoll geben, dass unsere Nation, Deutschland, wenigstens nicht schlechter ist als alle anderen Nationen, schon gar nicht »boshaft«, wie es manch ewiggestrige Antideutsche mit ihrem »lieb gewonnen Verweis auf [Deutschlands] besonders schreckliche Vergangenheit« meinen. Zuguterletzt kann die Antifa [f] dann, ohne das Potential antisemitischer Erklärungen und völkischer Konzepte in einer sich zuspitzenden Krise der kapitalistischen Akkumulation überhaupt in Erwägung zu ziehen, »entspannt« Entwarnung geben und verspricht vollmundig: »So wenig erfolgversprechend sind momentan alle Versuche einer umfassenden Wiederbelebung des völkischen Nationenkonzepts.« Da haben wir ja noch mal Glück gehabt. Aber wenn von den, das völkische Nationenkonzept ja an vorderster Front vertretenden, Neonazis offenbar keine Gefahr mehr droht, sollten sich die Autonome Antifa [f], ihr Kölner Klon und alle diesen reaktionären Unfug unterstützenden Antifagruppen ehrlicherweise schleunigst auflösen. sinistra! antagonistische assoziation(Alle Zitate aus: Autonome Antifa [f] und AK Antifa Köln: »Gegen Deutschland helfen keine Gedichte«, September 2009)_________________________________________________________
|
|
|
|
 |
|
AldoRaine
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 29. Sep 2009, 12:13 |
Joined: 2. Jan 2009, 15:15 Posts: 345 Location: Maynardville, Tennessee
|
|
obwohl die genoss_innen aus frankfurt mir hin und wieder ein wenig zu "sinistra" sind und daraus auch so einige probleme mit ihren positionen resultieren (v.a. die "der hauptfeind steht im eigenen land"-logik und ihre ablehnung der islam-kritik), bleibt m.e. nichts als volle zustimmung und meine anerkennung für die sinistra!-kritik der antifa-deutschen. gelungene argumentation und dazu gut formuliert, i like it, thumbs up!
_________________ "We got a German here who wants to die for his country! Oblige him!" (Lt. Aldo Raine)
|
|
|
|
 |
|
Maverick
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 2. Oct 2009, 12:48 |
Joined: 10. Mar 2009, 18:13 Posts: 147
|
Quote: Antinationalismus kaputt Die folgende stichwortartig theoretisierende Einlassung beschäftigt sich mit dem Antinationalismus, den Ums Ganze seit den Heiligendammprotesten 2007 propagiert, und richtet sich an diejenigen, die es trotz der hypnotisch- mantrahaften Wiederholung der immergleichen dürren Weisheiten über Staat und Kapital noch nicht leid geworden sind, sich ernsthaft mit dem auseinanderzusetzen, was die Damen und Herren Linksradikalen anlässlich der Veröffentlichung einer eigenen Broschüre als „Kritik auf der Höhe der Zeit“ zu bezeichnen belieben. Aktueller Anlass ist ein Papier der Antifa (f) und des AK Antifa Köln, in dem sich die beiden UG- Gruppen, neben stinklangweiligen ellenlangen Staats- und Konkurrenzableitungs-Allgemeinplätzen zur Positionsbestimmung und Rechtfertigung der eigenen Praxis, um eine Kritik an „den Antideutschen“ bemühen. „Sie…“ (die ehrliche Dummheit)“ ist ein wenig schwer von Begriff und hat, was man eine ‚lange Leitung‘ nennt. Sie ist arm an Vorstellungen und Worten und ungeschickt in ihrer Anwendung. (…) Sie ist die liebe ‚helle Dummheit‘, und wenn sie nicht manchmal auch so leichtgläubig, unklar und zugleich so unbelehrbar wäre, so wäre sie eine recht anmutige Erscheinung.“ (R. Musil) „Jeder Nationalismus ist gleich schlimm“, diese vor der Geschichte als leeres Dogma entlarvte Phrase scheint hinter den meisten Behauptungen zu stehen, die in einem aktuellen Papier „Gegen Deutschland helfen keine Gedichte“1 aufgestellt wurden. Unter der Zwischenüberschrift: „Zur Normalität des deutschen Sonderwegs“ steht dort geschrieben: „Egal ob Britisches Empire, USA oder deutsches Kaiserreich – genau genommen gab es bloß nationale Sonderwege“. Um einem berechtigten Shoa- Relativierungsvorwurf hilflos entgegenzuwirken (und damit in Wirklichkeit die hanebüchene Relativierung noch vergrößernd), wird folgendes hinterhergeschickt: „Auch der deutsche Sonderweg war nur eine – wenn auch bemerkenswert menschenverachtende – Variante der Verarbeitung der Konfliktlagen der kapitalistischen Weltmarktkonkurrenz“. Dass eine notwendige Verarbeitung der Konfliktlagen noch zu keiner Zeit, nicht im Britischen Empire und schon gar nicht in den USA, einem zur Nation zusammengeschweißten Staatsvolk die Idee hat kommen lassen, Millionen potentieller Arbeitssklaven und – als zum „arischen“ Deutschen gesetzte Gegen-“Rasse“ – in Konzentrationslagern eingesperrte Menschen zu vergasen, kommt den Verfasser_innen nicht in den Sinn. Das Begreifen des Faktums: dass gerade diese historisch einmalige und vor allem ökonomisch sinnlose Tat aus dem kapitalistischen Normalvollzug herausfällt und so die Bezeichnung einer deutschen Sonderrolle überhaupt erst sinnvoll macht, liegt ihnen fern. Über 3997 Wörter (25449 Zeichen, das sind in einer durchschnittlichen Schriftgröße 8 bedruckte DinA4 Seiten!) wird konsequent außer Acht gelassen, dass der deutsche Nationalgedanke seit seiner ersten Erhebung 1848 vor allem von antifranzösischen, antiaufklärerischen und, selbstverständlich wie die Laus im Pelz, von antisemitischen Strömungen getragen wurde. Für Menschen, die einen kohärenten Gedanken zu Ende denken können, ist klar, dass auch die heutige Idee von der deutschen Nation mit ihrem historischen Motto aus Gründertagen: Einheit (des Heiligen Reiches)! Freiheit (von der Aufklärung und demokratischen Revolution)! Vaterland (über alles in der Welt)! aus diesem Grund nicht gleichzusetzen ist mit dem französischen: Liberté, Egalité, Fraternité oder dem Pursuit of Happiness, das als Grundsatz der U.S.-amerikanischen Verfassung zugrunde liegt. Für einen Text, der meint, die „Antifa-Fehler der Vergangenheit“ nicht zu wiederholen, und vorgibt, ohne ein „zynisches Mitmachen im Bestehenden… eine Perspektive für die grundsätzliche Veränderung dieser Gesellschaft zu eröffnen“, eine kaum zu begreifende, kapitale Geschichts- und Begriffslosigkeit, die weit hinter das Niveau avancierter linker Debatten der letzten 15 Jahre zurückfällt. Es hat keinen Sinn, an dieser Stelle auf den zitierten Text weiter einzugehen. So gut wie jede aufgestellte Behauptung ist falsch, die Argumentation von größter Schlampigkeit und bar jeder redlichen Sorgfalt. Ausnahmen stellen nur diejenigen Phrasen dar, die so allgemein gehalten sind, dass inhaltlicher Unfug von vornherein so gut wie verunmöglicht ist. Und am argumentativen Ende der mühsam zusammengezimmerten Positionsbestimmung wider „die antideutsche Gedichteschreiberei„ angelangt, bleibt dem/der Antinationalen nichts weiter als die schamlose Bemühung von Ressentiments und Vorurteilen. Einem imaginierten Gesamt-“Antideutschen“ wird vorgeworfen, „zornig“ als „armer Poet… in der Dachkammer seiner Intellektualität“ sitzen bleiben zu wollen, um gemeinschaftsschädigende Schriften zu verfassen, die kein anderes Ziel verfolgen als den – in den Köpfen der antinationalen Protagonist_innen offensichtlich allerorts und gleichermaßen als heilsbringend geltenden – Antinationalismus und vor allem die geliebte „Praxis“ – zu der „die Antideutschen“ wegen ihres Elfenbeinturmdaseins unfähig seien – zu diskreditieren. Der bemühten Feindprojektion gegenüber wird das Bild eines braven Aktivisten gesetzt, der sich „…Alkohol und Drogen erspart“ (sic!) und sich – natürlich nur für Agitations- und Propagandazwecke – auch für das Fußballstadion nicht zu schade ist. Die abschließende Empfehlung an die Produzent_innen „ätzender Texte… die sowieso nur von Leuten gelesen werden, die das gleiche Problem haben“, einen „Psychiater oder Kardiologen“ zu konsultieren, stammt aus derselben Ressentiment-Schmiede (aus einem Absatz einer Polemik von Wolfgang Pohrt geklaut) wie die restlichen „Meinungen“ und „Inhalte“, die die eifrigen Werbetrommler_innen der antinationalen Sache gegen „die Antideutschen“ zu mobilisieren vermögen. Nicht nur die aus dem klassisch antisemitischen Gefühlsrepertoire entlehnte Ranküne gegen den dachkammerbewohnenden (weil mit seiner unproduktiven Träumerei nicht genug verdienenden) und im schlimmsten Falle Rauschmittel konsumierenden, vermeintlichen oder wirklichen, jedenfalls nicht in der „Praxis“ des Volksbodens verwurzelten „bürgerlichen“ Intellektuellen belegt dies. Erstens: Damit die notwendige Revolution der Zukunft im Gegensatz zu dem, was sich im Gestern und Heute als realsozialistisch, kommunistisch oder revolutionär schimpft, auf der noch nie dagewesenen Abschaffung der Lohnarbeit basiert und nicht in Staatssozialismus oder einer „sozialistischen Marktwirtschaft“ à la VRChina stagniert, bedarf es einer historisch-materialistischen Rezeption des Gewesenen und einer neuen Theorie, die am Anfang jeglichen Handelns steht. Dies schon alleine deswegen, weil nach 6 Millionen fabrikmäßig ermordeten Menschen und in anbetracht der beschleunigten Pathogenese des wahnhaft verkehrten Alltagsglaubens des Antisemitismus, der den historisch einmaligen Massenmord und die vorhergegangene kapitale Niederlage der „bestorganisierten Arbeiterklasse der Welt“ (Lenin) erst ermöglicht hat, nicht einfach so weiter gemacht werden kann wie bisher – z.B. wie die weltweit als lächerliche Rentnerparteien weiterexistierenden Überbleibsel der ehemaligen Sowjetkomintern. Diese haben nämlich mit ihrer holzschnittartig verkürzten Vorstellung vom Antisemitismus als reiner Ersatzideologie, die den Dümmsten im eigentlich guten Volk erst von den Herrschenden angedreht werden müsse, vor der komplexen Realität versagt. Die Verrohung und Mittäterschaft des „Volkes der Dichter und Denker“ während der Shoa, die erst durch die kollektive Projektion einer „Geld raffenden Gegenrasse“ (eben „das Judentum“) ermöglicht wurde, blieb weitgehend unbegriffen. Die seit den 1920ern fortgeschleppte, als Glaubensbekenntnis des hilflosen Antifaschismus fungierende Phrase „Hinter dem Faschismus steht das Kapital“, die die von den Produktionsverhältnissen determinierte, aber gegen den Fetischismus zu wendende Subjektwerdung eines jeden Einzelmenschen deterministisch verleugnet, ist ein guter Indikator für die Fortsetzung dieser theoretischen Niederlage vor den komplexen Verhältnissen. Aus tiefer Überzeugung wünscht der linke Durchschnittsdemonstrant z.B. Managern und „Volksverrätern“ von Staats wegen her jede erdenkliche Strafe an den Hals, wenn Börsenkurse fallen und Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Sind doch „die (Finanz-)Kapitalisten unser Unglück“! Keiner soll sich dem gemeinschaftlich beschlossenen Leid entziehen können, und: „wenn es mir schlecht geht, soll es den Anderen auch schlecht gehen“. Die Kapitalist_innen als das zu erkennen was sie sozial sind, nämlich bloße Charaktermasken, Agent_innen im Dienste objektiver Sachzwänge, deren physisches Verschwinden, z.B. als Verstaatlichung der Kapitale, nicht einen Einzigen vor (dem Schicksal bzw. Verlust) der Lohnarbeit bewahren würde, fällt den Leuten allerdings umso schwerer, wo sich immer jemand findet, der die zur Abschaffung des Kapitalismus notwendige theoretische Transzendierung der Verhältnisse zur austauschbaren Ware degradiert und konsumierbar macht — mittels inhaltlicher Verflachung und diesem Politikergeschäft „die-Menschen-dort-abzuholen-wo-sie-stehen“: d.h. sie begleiten, bestätigen und festhalten im Element ihrer Unwissenheit und dem Mainstream der Rückständigkeit. Die ProtagonistInnen des UmsGanze-Bündnisses kritisieren das nicht, sondern unterwerfen sich diesen einfachen Tatsachen durch blinde Verleugnung und zugleich Anpassung an die traditionalistischen linken Politikanten im konkreten Handeln, indem sie inzwischen nur Weniges inbrünstiger an der linken Szene zu skandalisieren vermögen als ein paar Israelfahnen und indem sie sich alle Quartale mit ML-Sekten, arbeitertümelnden Bürokrat_innen (FAU/Wobblies), parteipolitischen Ökopaxifist_innen (Ökolinx) und anderen ideologieverblendeten Szenezombies zu einem innerlinken Stelldichein treffen, um z.B. unter dem an Beliebigkeit kaum zu übertreffenden Motto: „für die soziale Revolution“2 ihre utopische, selbstreferenzielle, leere Abstraktheit als „radikale Linke“ zu demonstrieren. Die brutale Gleichmachung des Ungleichen, die mit diesem politischen Alltagsgeschäft einhergeht, wird sichtbar, wenn in verschiedenen Publikationen pauschaliserend von „den Antideutschen“ schwadroniert wird3, obwohl deren einziger gemeinsamer Nenner eine Kritik an der linken Szeneherrlichkeit und verweigerten Israelsolidarität ist. Nicht nur an diesem Punkt, sondern auch im nach sofortiger Befriedigung drängenden Willen, unmittelbar gegen die als bedrückend begriffenen Verhältnisse handeln zu können, und in der fast schon zwangsläufig damit einhergehenden Abneigung gegen Theoriearbeit und „Texte die keiner liest…“, treffen sich die Protagonist_innen des aktuellen „Antinationalismus“ im Geiste mit den staatssozialistischen Vollzeitrevoluzzer_innen. Logisch, dass „die linksradikale Szene“ Szene ist und bleiben wird, solange dieser geistlose Zustand sich in Geschichtsvergessenheit und Begriffslosigkeit perpetuiert. Das antinationale Bündnis bleibt somit letztlich vor der komplexen Realität hilflos, weil es gegenüber den verhängnisvollen Bewegungsgesetzen, die die Verhältnisse krisenhaft vorantreiben und zugleich regressiv stabilisieren, konsequent die Augen verschließt. Ein Ausdruck — und zwar der gefährlichste — dieser Bewegungsgesetze ist der moderne Antisemitismus, der in seiner schlimmsten, eliminatorischen Variante in der islamischen Einflusssphäre, just in time, Menschenmassen fanatisiert und in ihren paranoiden Projektionen und Tathandlungen auf die fetischistisch verkehrten Vorstellungen von der modernen Welt verweist, Weltbilder, die jeglicher zum Überleben notwendigen Gedankenanstrengung im Kapitalismus abverlangt werden. Dieses Syndrom aber wird von der antifa(f) und AK Antifa Köln in ihrem ganzen „strategischen“ Rundumschlag noch nicht einmal erwähnt! Und Zweitens: In alltäglicher Verdinglichung wird z. B. Geld, das in seiner materiellen Wirklichkeit Äquivalent zu konkret geleisteter menschlicher (Lohn-) Arbeit ist, als ein Gegenstand behandelt, der auf geheimnisvolle Weise einen Wert aus sich heraus innehat. Geld ist jedoch nicht einfach „wertvoll“, sondern findet einen gesamtgesellschaftlich relevanten Gebrauchswert in der Vermittlerrolle, die es als Tauschwertzeichen einnimmt, um im Kapitalismus, in der historisch bisher am höchsten entwickelten Produktionsweise, den reibungslosen Austausch unterschiedlichster Waren gewährleisten zu können. Geld ist der bei Warenproduktion notwendig dingliche Ausdruck des sinnlich nicht fassbaren, weil rein gesellschaftlichen Wertes der Waren. Der Wert selbst ist das Verhältnis der in der Produktion der Waren aufgewandten abstrakt-menschlichen Arbeit zueinander und zugleich zur gesellschaftlichen Gesamtarbeit. Dass dieses komplexe Verhältnis im alltäglichen Umgang nicht so einfach wahrgenommen werden kann, dürfte klar sein. So wie der Alltag, der Stoffwechselprozess mit der Natur (Marx), dem Begreifen dieser grundlegenden Funktion des Geldes zuwiderläuft, verhält es sich mit dem menschlichen Bewusstsein insgesamt. Die Reflektion, die der Alltagsverstand i.d.R. zu leisten imstande ist, beschränkt sich auf die zwangsläufig beschränkte Widerspiegelung des konkret haptischen Erlebens. Die alltäglichen Verkürzungen und Verkehrungen der Wirklichkeit die z.B. beim Geld stattfinden, sind also auch in sozialen, historisch gewordenen Verhältnissen wiederzufinden. Vereinfacht ausgedrückt: So wie der Arbeiter sich zum Erlangen der zum Leben notwendigen Gebrauchswerte allein den Umweg über das Übel der Lohnarbeit zum Gelderwerb vorstellen kann, versucht er die Manager_innen (im Falle schlimmster Borniertheit: „die Juden“) zu bekämpfen, um sein erlittenes Leid, das aus der täglichen Entfremdung seiner Persönlichkeits- und gesellschaftlichen Möglichkeiten herrührt, zu mildern. Diese verkehrten Gedanken von der Welt, die im alltäglichen Tausch an der Ladentheke (Ware Arbeitskraft gegen Geld, Geld gegen „Warenkorb“) noch funktionieren, beweisen ihr prinzipielles Verhängnis, ihre Untauglichkeit wenn sie die von Antisemit_innen als Antikapitalismus verstandene Wahnvorstellung untermauern: „die Juden sind unser Unglück“. Indem UG meint – aus linker Szenetradition und aus politisch-propagandistischen Erwägungen heraus4 – den Antisemitismus als einfaches Glied einer Reihe von Unterdrückungsverhältnissen behandeln zu können – Sexismus, Rassismus, Nationalismus … und darunter auch noch irgendwo Antisemitismus – und nicht davon ablassen will, alle unseligen Gegenwartsphänomene simplifizierend aus der Konkurrenz abzuleiten, und so die für eine wirkliche Umwälzung der Verhältnisse bitter notwendige Aufklärung über das wirkliche Ausmaß des Ungemachs der kapitalistischen Produktionsweise verrät, entlarvt sich das Bündnis als das was es ist: der Antinationalismus des deutschen Michels. Eine weitere den Kapitalismus begleitende und stützende Gesetzmäßigkeit, die wegen ihrer Propagandatauglichkeit von UG nicht kritisiert, sondern sogar genutzt wird, ist das warenförmige Spektakel der Kulturindustrie. Derjenige Industriezweig, der mit seiner alles durchdringenden Produktion schablonenhafter Bilder jede Gefühlsregung des Bedürfniswesens Mensch präventiv normiert, deformiert, in die monetäre Verwertbarkeit zwingt und so das zurechtgestutzte Subjekt an die kapitalistischen Verhältnisse kettet. In Anbetracht des radical Chic, der im peinlichen Jugendjargon daherkommenden StaatNationKapitalScheisse-Hochglanzpropagandaagitationswixe, den Demojingles und Videos, die sich in Optik und Sound anbiedernd affirmativ an den jeweils aktuellen Kulturindustriedreck anschmiegen, und dem daraus resultierenden Habitus militanter Jungmänner (-und Frauen), gibt es für revolutionäre Ästheten und Ästhetinnen, für Menschen mit einem halbwegs communistischen Bewusstsein, nur eine letzte originäre Empfindung: Abscheu. Die umschriebene, nach größtmöglicher Anhängerschaft hechelnde Kumpanei mit den Verhältnissen hat ein historisch-materialistisches, auf die Dispositionen und Immanenzen der regressiv-verkehrten Gedankenwelt der Staatsbürgersubjekte eingehendes Begreifen dessen, was während der Zeit der deutschen Terrorherrschaft geschehen ist, allzeit systematisch verunmöglicht. Eine Intervention mit theoretischen Inhalten, die über das übliche ideologische Politkrämerladengeschäft der diversen linken Menschheitsbeglücker_innen hinausweist, in bestehende „Bewegungen“, und sei sie noch so kritisch gemeint, hat noch nie populistisch funktioniert. Gegen die multipel bedrückenden Lebensrealitäten, die fast schon hermetisch abgeriegelten Verhältnisse, gegen den Kapitalismus selbst, gibt es nur wenige wirksame, weil wahrhaft antagonistische Vorgehensweisen: Zersetzung, Denunziation, Spaltung, Entwendung und negatorische Ideologiekritik. Kurz: das Schüren des revolutionären Unbehagens mittels einer kollektiven Praxis der Theorie, die sich selbständig organisiert. Auch wenn nicht alle Mitmacher_innen abgefuckte Zyniker_innen des linksradikalen Marketings, sondern nur gutgläubige Mitläufer_innen sind – die infantilen Hanswurstereien, die UG im Namen des „neuen Antinationalismus“ als revolutionary action verkaufen will, enden allzeit dort wo sie hingehören: in einem deutschen Schrebergarten der „Freiraumbewegung“ oder bei der Happy Hour im Gewerkschaftshaus, mit einer Hier-kocht-der-Chef-Schürze vor dem Bierbauch und der schwarzrotgoldenen Bratwurst auf dem Grill. Letzte Ansage: Linke oder c(k)ommunistische Israelsolidarität ist nicht nur ein Gebot derer die eine vernünftige Konsequenz aus der Shoa gezogen haben, sondern auch die praktikable Interimslösung derjenigen, die um die Wirkmächtigkeit der verhängnisvoll-fetischisierten Gedanken des im Kapitalismus verlassenen und verächtlichen Wesens Mensch wissen. Israelsolidarität ist das Eingeständnis der eigenen vor allem theoretischen, aber auch organisatorischen und personellen Schwäche. Israel ist nicht irgendein Land, dessen nationale Symbole, dessen faktisches Bestehen im Namen eines allerorts seligmachenden Antinationalismus, zusammen mit anderen Nationalstaaten abgehandelt werden könnte. Israel ist nicht nur ein kapitalistischer Staat unter vielen, sondern vor allem – inklusive aller politischen, religiösen und weltanschaulichen Zerwürfnisse im konkreten Leben – der Staat der Shoa-Überlebenden und all derer die weltweit vom Antisemitismus bedroht werden. Israel steht für den vorläufigen bewaffneten Triumph über diejenigen Menschen, die in ihrer antisemitisch-bewusstlosen Raserei nichts weniger herbeisehnen, als das was die Deutschen mit dem organisierten Massenmord – der Shoa – versuchten zu realisieren. Solange der Islamfaschismus als radikalste, offen kämpfende Avantgarde einer antisemitischen Internationale – bestehend aus Staatschefs, Staatsvölkern, links- oder rechtradikalen antiimperialistischen Bewegungen, deutschen Friedenfreund_innen und anderen denkfeindlichen Sympathisant_innen weltweiter Barbarei – in Israel lebende und überall als Juden identifizierte Menschen bedrohen und die Klasse des Bewusstseins (Lukacs) nicht mit Tanks und Kanonen am menschheitsgeschichtlichen Horizont aufmarschiert um dem Kapitalismus – der den mörderischen Antisemitismus immer wieder aufs Neue hervortreibt und speist – den Gar auszumachen, solange ist es gut und nicht schlecht, dass sich die Polizei, der Geheimdienst und die Verteidigungsstreitkräfte des jüdischen Staates bereithalten, um dem mordlustigen Tatendrang diverser Antisemiten und Antisemitinnen mit physischer Gewalt Einhalt zu gebieten. Am längsten lebe Israel… bis zum Communismus! contact: neocommunistinnen@gmx.demore: neocommunistinnen.blogsport.de
_________________ There is no criticism on antisemitism without criticism in antiamericanism.
|
|
|
|
 |
|
Rüdiger
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 4. Oct 2009, 11:26 |
Joined: 13. Jan 2009, 09:19 Posts: 381
|
|
Es wäre viel vernünftiger, das Showprogramm der Feierlichkeiten in Saarbrücken zu kritisieren. Das war wirklich miserabel (Nicole, Raemonn und eine französische Straßentheatertruppe). Darum ist ja auch niemand da hingegangen. Massen von angeblichen deutschen Nationalisten sind nach Frankreich, Belgien und Holland gefahren, um samstags mal richtig schön zu shoppen.
_________________ "Es wäre ganz schön hier. Es ist alles beieinander, aber es ist Unrat in der Luft." (Hans Fallada)
|
|
|
|
 |
|
sisko
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 4. Oct 2009, 15:05 |
Joined: 10. Nov 2008, 18:14 Posts: 244
|
|
war das ein versuch witzig zu sein? dann schau doch lieber weiter sat.1 frühstücksfernsehen
|
|
|
|
 |
|
Rüdiger
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 5. Oct 2009, 10:00 |
Joined: 13. Jan 2009, 09:19 Posts: 381
|
|
Wer künftig mit Ums Ganze zusammen demonstriert, der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Dieses Bündnis macht offensiv antizionistische Politik. Auf der Saarbrücken-Demo gab's sogar ein Transparent (von der FAU, aber niemand hat diese Leute verkloppt), auf dem die Fahnen Israels und der USA durchgestrichen waren. Scheiß autonome Antinationalisten! Nieder mit dem deutschen Pack!
@sisko: Nein, das war vollkommen ernst gemeint.
_________________ "Es wäre ganz schön hier. Es ist alles beieinander, aber es ist Unrat in der Luft." (Hans Fallada)
|
|
|
|
 |
|
sisko
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 5. Oct 2009, 13:30 |
Joined: 10. Nov 2008, 18:14 Posts: 244
|
Rüdiger wrote: @sisko: Nein, das war vollkommen ernst gemeint. du siehst es als ernsthafte aufgabe an, das programm der deutschen jubelfeiern zu kritisieren, weil die dort auftretenden b-promis des kulturbetriebes zu schlecht waren? da ist es ja noch sinnvoller sich mit so nichtigkeiten wie dem ak antifa und der F, sowie ihrem versuch kritik auf der höhe der zeit zu formulieren, auseinanderzusetzen.
|
|
|
|
 |
|
Rüdiger
|
Post subject: Re: Gegen Deutschland helfen keine Gedichte! Posted: 5. Oct 2009, 13:51 |
Joined: 13. Jan 2009, 09:19 Posts: 381
|
|
Ich hab ja "vernünftiger" geschrieben, was auf einen Komparativ hinweist. Vernünftiger als einen Nationalismus zu kritisieren, den es in der Gestalt, in der ihn Ums Ganze bekämpft, nicht gibt, ist es, das Festprogramm zu kritisieren.
Und ich würde, davon abgesehen, durchaus die These aufstellen, dass die Deutschen gar nicht so nationalistisch sind, wie die Antinationalen meinen.
_________________ "Es wäre ganz schön hier. Es ist alles beieinander, aber es ist Unrat in der Luft." (Hans Fallada)
|
|
|
|
 |
|
|